Accessibility-Tools · WCAG-Prüfung · Vergleich
axe, Lighthouse, WAVE: Welches A11y-Tool findet die meisten Mängel?
Drei kostenlose Tools dominieren den Markt der automatisierten Accessibility-Prüfung: axe DevTools (Deque), Lighthouse (Google) und WAVE (WebAIM). Jedes hat andere Stärken, Schwächen und Abdeckungsraten. Dieser Vergleich hilft Entwicklern und Shop-Betreibern, das richtige Tool für ihre Situation zu wählen — und erklärt, warum kein Tool allein ausreicht.
Stand: Juni 2026 · Technischer Vergleichsartikel, keine Rechtsberatung
Die drei Tools im Überblick
axe DevTools (Deque Systems)
axe-core ist die zugrunde liegende Open-Source-Engine, die auch viele andere Tools (Lighthouse, Pa11y, IBM Equal Access Checker) verwenden. Die Browser-Extension „axe DevTools“ ist für Chrome und Firefox verfügbar. Bekannt für niedrige False-Positive-Rate und gute WCAG-2.2-Abdeckung in der aktuellen Version (axe-core 4.x). Besonders stark bei Formular-Labeling, ARIA-Attribute und Fokus-Management.
Das kostenpflichtige axe DevTools Pro (~100–500 USD/Monat je Teamgröße) ergänzt manuelle Guided-Tests und Integrations-APIs. Für Einzelentwickler reicht die kostenlose Extension.
Google Lighthouse
Lighthouse ist in Chrome DevTools (Audit-Tab) direkt integriert und zusätzlich als CLI und Node-Modul nutzbar. Es prüft nicht nur Accessibility, sondern auch Performance, SEO und Best Practices. Der Accessibility-Score basiert teilweise auf axe-core, deckt aber nur eine begrenzte Auswahl der WCAG-Kriterien ab — der Score selbst ist kein direkter Maßstab für BFSG-Konformität.
Stärke von Lighthouse: Integration in Google PageSpeed Insights und einfache CI/CD-Einbindung über Lighthouse CI. Schwäche: höhere False-Positive-Rate als axe bei einigen ARIA-Checks.
WAVE (WebAIM)
WAVE des Web Accessibility in Mind (WebAIM)-Teams ist als Online-Checker und Browser-Extension verfügbar. Die visuelle Annotierung direkt auf der Website ist einzigartig: Mängel werden als Symbole im Seitenkontext angezeigt, was für nicht-technische Nutzer besonders hilfreich ist.
Schwäche: höhere False-Positive-Rate bei strukturellen Prüfungen und begrenzte CI/CD-Unterstützung ohne kostenpflichtige WAVE API.
Detaillierter Vergleich
| Kriterium | axe DevTools | Lighthouse | WAVE |
|---|---|---|---|
| Primäre Engine | axe-core (Deque) | Lighthouse (Google) | WAVE (WebAIM) |
| Kostenlos nutzbar | Ja (Browser-Extension) | Ja (Chrome DevTools) | Ja (Online + Extension) |
| Automatische Mängel-Abdeckung | ~35–45 % | ~25–35 % | ~30–40 % |
| False-Positive-Rate | Niedrig | Mittel | Mittel–Hoch |
| CI/CD-Integration | Sehr gut (axe-core npm) | Gut (Lighthouse CI) | Eingeschränkt (API kostenpflichtig) |
| WCAG 2.2 Coverage | Ja (axe-core 4.x) | Teilweise | Teilweise |
| Visuelle Annotation | Mittelmäßig | Gut | Sehr gut |
| Kontrast-Prüfung | Präzise (APCA-Option) | Standard | Standard |
| Screenreader-Test | Nein (manuell) | Nein | Nein |
| API / Abo für Teams | axe DevTools Pro (~100–500 $/Mo) | Kostenlos via CI | WAVE API (ca. 30–100 $/Mo) |
Abdeckungsraten sind Schätzungen basierend auf publizierten Studien (WebAIM, Deque, Tenon.io). Tatsächliche Werte variieren je nach Website-Typ und -Komplexität.
Warum kein automatisiertes Tool 100 % der Mängel findet
Automatisierte Tools prüfen, was maschinell messbar ist. Das sind vor allem:
- Vorhandensein von Alt-Attributen (aber nicht, ob der Inhalt sinnvoll ist)
- Kontrastverhältnisse von Text und Hintergrundfarben
- Verknüpfung von Formularfeldern mit Labels (aria-labelledby, for/id)
- Vorhandensein von Sprachattributen im HTML
- Heading-Hierarchie im DOM
Was automatisierte Tools nicht zuverlässig erkennen:
- Ob ein Alt-Text den Bildinhalt tatsächlich beschreibt (z. B. „Bild“ vs. „Produktfoto Herrenjacke blau Größe M“)
- Ob die Tastatur-Reihenfolge logisch und sinnvoll ist
- Ob komplexe Interaktionen (mehrstufiger Checkout, Akkordeon-Navigation) von Screenreadern nutzbar sind
- Kognitive Belastung, Zeitlimits oder Animation (WCAG 2.3, 2.5)
- Korrekte ARIA-Live-Region-Verwendung bei dynamischen Inhalten
Für eine solide BFSG-Dokumentation ist ein automatisierter Scan der sinnvolle erste Schritt — ergänzt durch gezielte manuelle Tests an den kritischen User-Flows des Shops.
Wie BFSG-Check die Tools kombiniert
BFSG-Check setzt axe-core als Primär-Engine ein und ergänzt eigene Prüfregeln für über 80 WCAG-2.1-Kriterien. Vor Auslieferung des Reports sichtet ein Mensch die Ergebnisse: False Positives werden herausgefiltert, kritische Mängel werden priorisiert und mit konkreten Fix-Hinweisen versehen. Das Ergebnis ist kein Rohdaten-Dump, sondern ein umsetzbarer Plan.
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Der kostenlose Sofort-Check gibt einen ersten Überblick in ca. 60 Sekunden. Der Basis-Report (199 €) liefert den vollständigen priorisierten WCAG-2.1-Report mit Fix-Plan für bis zu 5 Unterseiten — inklusive Entwurf der Barrierefreiheitserklärung.
Häufige Fragen
Welches Tool soll ich für meinen Online-Shop verwenden?
Für erste Orientierung reicht jedes der drei Tools. axe DevTools (Browser-Extension) hat die niedrigste False-Positive-Rate und ist für Entwickler empfohlen, die Mängel schnell identifizieren und beheben wollen. WAVE eignet sich für nicht-technische Nutzer dank der visuellen Overlays. Lighthouse ist bereits in Chrome DevTools integriert und braucht keine Installation.
Warum findet kein automatisiertes Tool 100 % der Mängel?
Automatisierte Tools prüfen, was maschinell messbar ist: Kontrastverhältnisse, vorhandene Attribute, DOM-Struktur. Ob ein Alt-Text tatsächlich beschreibend ist, ob eine Animation kognitiv störend ist, oder ob ein komplexer Interaktionsflow von Screenreadern wirklich nutzbar ist — das erfordert menschliche Urteilskraft und echte Screenreader-Tests.
Kann ich axe-core in meine CI/CD-Pipeline einbinden?
Ja. axe-core ist als npm-Paket verfügbar und lässt sich mit Jest, Playwright, Cypress oder Vitest kombinieren. axe-playwright und @axe-core/react sind fertige Integrationen. Damit können Regressionstests bei jedem Commit laufen.
Zählt ein Lighthouse-Score als Nachweis für die BFSG-Prüfung?
Ein Lighthouse-Score allein reicht nicht als BFSG-Dokumentationsgrundlage. Der Accessibility-Score in Lighthouse misst eine begrenzte Auswahl von WCAG-Kriterien und keine vollständige BFSG-Prüfung nach EN 301 549. Für eine dokumentierte BFSG-Prüfung brauchen Sie einen strukturierten Bericht mit Mangel-Priorisierung und Bezug zu den WCAG-Erfolgskriterien.
Wie unterscheidet sich BFSG-Check von diesen kostenlosen Tools?
BFSG-Check kombiniert automatisierte Prüfwerkzeuge (axe-core, eigene Regelwerke für über 80 WCAG-Regeln) mit menschlicher Sichtung vor Auslieferung. Das Ergebnis ist ein strukturierter PDF-Report mit priorisierten Mängeln, konkreten Fix-Hinweisen und einem Entwurf der Barrierefreiheitserklärung — kein Rohdaten-Dump, sondern eine umsetzbare Grundlage.